Bürgerinitiative Das Selketal Planung Alternativen Historie/Impressum

Bei der Planung des HRB Wippra hatten Auftraggeber und Planer vorgesehen, zur Materialgewinnung einen bewaldeten Hügel im Naturschutzgebiet abzubauen.

Dabei hatten sie es unterlassen, für den


Abbau ein Umweltgutachten zu erstellen. Das muß nun erst mal nachgeholt werden, wie das Verwaltungsgericht Halle nach einer darauf gerichteten Klage des NABU entschied.


Immer wieder werden bei Planungen unbequeme Nebenbestimmungen und –vorschriften ignoriert oder mißachtet – nicht nur aus dem Bereich des Naturschutzes. Die daraus folgenden Verteuerungen und Verzögerungen werden dann in der Öffentlichkeit oft nicht den Verursachern, sondern den Klägern angelastet.

Hochwasser 2016 vorprogrammiert?

Stauteiche im Selketal sind voll

  Die Selke und ihre Nebenbäche durchfließen im Ober- und Mittellauf naturnahe Mittelgebirgstäler mit ausreichend Fläche, um normale und größere Hochwasser schadlos zu bewältigen. Kritisch kann es jedoch werden, wenn die Böden gesättigt oder gefroren sind und die Schneeschmelze zusätzliches Wasser ins Tal schickt. Um derartige Frühjahrshochwasser abzufedern, gibt es Stauteiche und Talsperren zwischen Güntersberge und Alexisbad, die eigens diesem Zweck dienen. Sie sind Hochwasserschutzeinrichtungen des Landes Sachsen-Anhalt und sollen entsprechend unterhalten werden. Dies würde bedeuten, dass sie im Herbst auf ein bestimmtes Maß abgelassen werden, damit sie zur Schneeschmelze oder bei starken Regenfällen im Winter/Frühjahr genügend Wasser aufnehmen können, um Hochwasserspitzen zu entschärfen.

  Für das Frühjahr 2016 scheint der Winter-Ablass von 2-3 Metern bei den wichtigen Talsperren nicht nötig zu sein, denn die Stauteiche und Talsperren (Kiliansteich, Mühlteich, Teufelsteich, Elbingstalteich, ...) sind randvoll, einige laufen schon jetzt am Hochwasserüberlauf ab.


  So müssen wir also mit der großen Hoffnung in das neue Jahr gehen, dass es 2016 keine natürlichen Frühjahrs-Hochwasserereignisse gibt, denn selbst Schneeschmelze mit Regen kann nun im Unterlauf Hochwasserspitzen erzeugen, die nicht nötig, aber offensichtlich gewollt sind.


Annette Westermann

Bürgerinititive Naturnaher Hochwasserschutz Selke

Beispiel:

Teufelsteich am 19.12. 2015

abgelassen wurden ca. 50 cm, tiefstes Absenkziel sind aber 13,5 m unter Vollstau

Um eine ungefähre Vorstellung davon zu geben, wie etwa das Selketal

nach dem Bau des Dammes aussehen könnte, zeigen wir hier ein paar Beispiele.

Straußfurt

Kelbra

  Das  HRB Angelroda   im Vorland des Thüringer Waldes wurde 2010 fertiggestellt    (Fotos von Andreas Krug     )

Die Talsperre Mandelholz  = das HRB Kalte Bode  

Es gibt bisher im Harz kein mit dem Meisdorfer  vergleichbares HRB, denn dieses HRB wird mit einem Dauerstau betrieben, der auch der Energiegewinnung dienen soll.


Nur das darüber hinausgehende Volumen dient dem Hochwasserschutz. Insofern ist es mit dem HRB Meisdorf vergleichbar :

Es stehen dort keine Bäume, nur Buschwerk.

Der Damm ist "grün", aber nur mit Gras und Kräutern bewachsen.

Der Damm bildet eine ökologische Sperre.

Bei anderen HRB sind ebenfalls massive Eingriffe in die Natur anzunehmen.

Deren Akzeptanz unterliegt einer detialierten Beurteilung aller Faktoren.

Rückhaltebecken bei Glashütte  Wie sehr sich “Fachleute” irren können, zeigt z.B. :

 Bei dem Hochwasser 2002 in Sachsen wurde dieses Rückhaltebecken  zerstört  , obwohl es für "in Ordnung" befunden worden war  .

 Für das HRB Wippra wurde 2006 das Planfeststellungsverfahren eröffnet und ist bisher nicht abgeschlossen worden. http://rueckhaltebecken-lsa.de/projektstandorte/wippra.php  

Stellungnahme des NABU  Sachsen-Anhalt vom 7.04.2006:

Der NABU lehnt das geplante Vorhaben aus naturschutzfachlicher Sicht ab. Insbesondere sind mit erheblichen Auswirkungen auf die Schutzgüter Pflanzen, Tiere und deren Lebensräume zu erwarten. Das Projekt ist gemäß Artikel 6 FFH-Richtlinie nicht mit den Erhaltungszielen vereinbar und damit unverträglich. Die Darstellung des Ausgleichs- und Ersatzkonzeptes ist nicht schlüssig und damit nicht nachvollziehbar.

Trotzdem ist der vorzeitige Maßnahmebeginn genehmigt worden, weil mit einem positiven Bescheid für diese Maßnahme gerechnet wird und weil sie im öffentlichen Interesse sei.

Die Argumente des NABU wurden also nicht berücksichtigt und der Schutz der Natur liegt anscheinend nicht im öffentlichen Interesse.

 Im Ost-Erzgebirge wurde 2006 das HRB Lauenstein im Müglitztal fertiggestellt.   Dieses HRB ist konzipiert für gesteuerten Dauerstau.

Bei einem Einzugsgebiet von 38 km² hat es einen Stauraum

von 5,19 Mio m³.

Es ist für ein HQ 200 ausgelegt.

Die Baukosten betrugen 38,7 Mio €.


Foto: Prof. Dr. Würzberg

Ebenfalls im Ost-Erzgebirge - im Bielatal bei Altenberg ist ein sehr großes HRB geplant.  Für dieses HRB wurde das Planfeststellungsverfahren eröffnet, aber wohl wegen ebenso gravierender Mängel bei der Untersuchung und Auswertung naturschutzfachlicher Belange nicht abgeschlossen.

Als weiteres HRB im Ost-Erzgebirge ist im Pöbeltal das HRB Niederpöbel im Bau.  


Welche Folgen der Bau eines solchen Dammes hat, kann man gegenwärtig im Osterzgebirge sehen. Hier wurde unweit von Schmiedeberg mit der Bauvorbereitung eines Dammes für ein Hochwasserrückhaltebecken im Pöbeltal begonnen. Wie im Selketal handelt es sich um ein Trockenbecken, das nur bei Hochwasser mehr oder weniger gefüllt wird. Das Ausmaß dieses Beckens ist mit der im Selketal geplanten Anlage vergleichbar:

Rückhaltevolumen des Beckens im Pöbeltal ca. 1,1 Mio. m³.   


Foto: Prof. Dr. Würzberg - im Jahr 2011   



   Der Pöbelbach ist ein Nebenfluss der Weißeritz, die während des Augusthochwassers im Jahr 2002 Teile der Innenstadt von Dresden überschwemmte. Die im Pöbeltal geplante Maßnahme ist Teil eines Hochwasserschutzkonzeptes, durch das solche verheerenden Überschwemmungen künftig verhindert werden sollen. Dem berechtigten Wunsch der Bevölkerung, vor derartigen Katastrophen geschützt zu werden, soll mit einer Reihe solcher Anlagen entsprochen werden. Es ist allerdings aus den hier gezeigten Fotos ersichtlich, welcher Preis dafür gezahlt werden muss. Nach einem Zeitungsbericht (Dresdner Neueste Nachrichten vom 22.01.2011) wurden im Pöbeltal insgesamt ca. 7 ha Wald abgeholzt. Man kann erkennen, dass im Bereich der Baustelle bereits durch den Holzeinschlag die ursprüngliche Vegetation zerstört werden musste. Außerdem wird in unmittelbarer Nähe zur Baustelle ein Steinbruch angelegt, in dem das Material für den Dammbau gewonnen werden soll. Eine weitere Inanspruchnahme der natürlichen Umwelt wird damit erforderlich. Dazu ist aber festzustellen, dass im Hinblick auf die natürliche Ausstattung und auf die Bedeutung für den Tourismus das Pöbeltal nicht vergleichbar ist mit dem Selketal, das eine wesentlich größere Schutzwürdigkeit hat. Wenn man diese Bilder von der Baustelle im Pöbeltal gedanklich auf das Selketal überträgt, so ist ersichtlich, dass es sich mit dem Bau des geplanten Absperrdammes nicht um eine kleinere, harmlose Baumaßnahme handeln wird.


Prof. Dr. Würzberg  I


m August 2013 ist dieser Damm immer noch nicht fertig !